Bezirks-Jägergruppe Altona Blankenese
        Bezirks-Jägergruppe        Altona Blankenese        

Jagdlicher Naturschutz

Jäger sind Naturliebhaber. Wir leben mit ihr und von ihr. Deshalb liegt uns der Erhalt von Schöpfung und Umwelt am Herzen. Auf unseren Reviergängen, beim Pirschen und beim Ansitz nehmen wir die Veränderungen in der Natur intensiv und kleinräumig wahr. Wir tauschen unsere Beobachtungen aus und lassen sie in die Pflege unserer Reviere einfließen.Das dient dem gesetzlichen Ziel der Jagd, für einen gesunden, artenreichen und den landschaftlichen Bedingungen angepassten Bestand von Wildtieren zu sorgen. Nicht umsonst ist der Landesjagd- und Naturschutzverband Hamburg einer der anerkannten Naturschutzverbände. 

 

Unsere Jägergruppe verfolgt einige Naturschutzprojekte:

Nistkastenaktion auf dem Friedhof Blankenese 2022

Teamchef Andre arbeitet in luftiger Höhe

Eigentlich hätte die Aktion schon im Herbst laufen sollen – aber die Corona-Pandemie und zuletzt die Februar-Stürme machten dem naturschutz-Team unserer Bezirksgruppe immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Jetzt war Eile geboten, denn durch den Klimawandel beginnen die Singvögel inzwischen bis zu 2 Wochen früher mit der Balz und beziehen dann ihre „Sommerquartiere“ an den Bäumen und Hausgiebeln. So finden sich am letzten Sonnabend 10 Jäger im Alter zwischen 4 und 84 Jahren am Blankeneser Friedhof ein um mit Leitern zu den Nistkästen an den Bäumen hinaufzusteigen. Vorsichtig öffnen sie die Kästen um evtl. „Frühbucher“ nicht allzu sehr zu stören. Aber die sind zum Glück noch nicht gekommen und so können Mathias und Andre in luftiger Höhe in Ruhe begutachten, was sich in den künstlichen Bruthöhlen angesammelt hat. Es zeigt sich: viele ältere Vogelbehausungen sind schon seit Jahren nicht mehr gepflegt worden, sie sind so zerrottet und voller Ungeziefer, dass sie entfernt werden müssen. Andere, z.B. die von uns vor 2 Jahren noch knapp vor dem Lock-down aufgehängten (siehe Bericht weiter unten), sind gut angenommen worden. Es reichen ein paar Bürstenstriche um mit dem Gras und den Zweiglein des alten Nistmaterials auch die Flöhe und Milben zu beseitigen. Das ist wichtig, weil die winzigen Plagegeister der Brut so sehr zusetzen können, dass sie schließlich zugrunde geht.

Unten an der Leiter steht Hartmut. Er ist einer unserer Ornithologen,und begleitet die Aktion fachlich und analysiert, wer dort oben seine Jungen groß gezogen hatte. Mit forensischer Gründlichkeit zupft er dien ineinander verfilzten Fasern auseinander. Federn von Blaumeisen, Kohlmeisen und Kleiber kann er erkennen, in manchen Nestern machen die Reste von Eierschalen die Bestimmung einfach. Aber in vielen anderen Kästen sind die Hinterlassenschaften der gefiederten Gäste inzwischen viel zu verrottet.

 

Die nächste Nistkastenaktion ist für den Herbst vorgesehen.

Landschaftspflege in der Sülldorfer Feldmark: Bauern und Jäger erhalten die Kopfweiden

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In Norddeutschland kennt sie jedes Kind – die knorrigen Gestalten an den Gräben und in den Knicks, die ihre struppigen „Frisuren“ aus Ästen, Trieben und Blättern in den oft grauen Himmel recken. Die Rede ist von den Kopfweiden, die bei uns so typisch sind für das Landschaftsbild und auf Reiter, Spaziergänger oder Sportler eine unvergleichliche Faszination ausüben. In vergangenen Zeiten wurden sie regelmäßig „abgeerntet“ um aus den elastischen Trieben Korbwaren zu flechten, ihre Äste wurden zu Werkzeugstielen verarbeitet und die stärkeren Exemplare dienten als Zaunpfähle an den Viehweiden – wo sie nicht selten wieder ausschlugen und innerhalb kurzer Zeit neue Bäume wachsen ließen. Heute haben andere Materialien die Weidenruten fast vollständig verdrängt, die Bäume werden nicht mehr beschnitten und wuchern aus, zerbrechen schließlich in den Winterstürmen. Ein typisches Landschaftsmerkmal geht so verloren – und eine wichtige ökologische Ressource gleich mit. Denn die von Menschenhand geschaffenen Kopfbäume – hauptsächlich Weiden, aber auch Eschen, Pappeln, Eichen und andere Arten – bieten vielen Tieren Schutz und Lebensraum, angefangen bei Insekten, die den hohen Totholzanteil zersetzen, über Reptilien und Kleinsäuger bis hin zu Steinkauz und anderen Höhlenbrütern, die gern die Baumhöhlen bewohnen.

  Auch Fledermäuse, Siebenschläfer, Steinmarder und andere finden  in den „Köpfen“ Unterschlupf. Deshalb setzen sich die Sülldorfer Bauern zusammen mit den Jägern ein für den Erhalt dieser kleinen Bio-Paradiese.

Landwirt Heinz Behrmann: „zuerst beschneiden wir die Bäume grob, das erledigen wir heute mit speziellen Forstmaschinen, die die herausgeschnittenen Äste gleich sauber in Haufen legen. Danach kommt die Handarbeit: Schnittflächen müssen begradigt, Bruchstellen beseitigt werden um einen sauberen Neuaustrieb zu fördern“. Das Schnittgut wird anschließend gehäckselt und größtenteils als CO²-neutrales Heizmaterial verwendet. Ein kleinerer Teil geht als Totholz in den Knick zurück, ebenso wie die Stammstücke, die die Jäger neben den Kopfweiden aufgeschichtet haben. Bernd Neumann vom Landesjagd- und Naturschutzverband: „Um die Stapel herum wachsen schnell Gräser, Kräuter und Gehölze. Wir schaffen damit neben den Kulturflächen Biotop-Inseln für die unterschiedlichsten Tiere, bis hin zu Hasen und Rehen, die hier vor Störungen durch Witterung, Hunden und Menschen sicher sind“.

Warum tun Bauern und Jäger das? Behrmann und Neumann sind sich einig: „Wir leisten damit einen Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt. Die bäuerliche Kulturlandschaft mit ihren vielfältigen Strukturen ist ein wertvoller Schatz für die Biodiversität in unserem Land. Den wollen wir erhalten!“

Ein Totholzstapel entsteht

2 Jahre später wird daraus eine Biotopinsel am Rand der Kulturfläche entstehen

Nach der Aktion: Frühstück in der Scheune von Heinz Behrmann

Wieder Störche in der

Sülldorfer Feldmark!

Schon vor 12 Jahren hatten drei Landwirte Nistgelegenheiten für Weißstörche in der Feldmark errichtet - nun ist ihre Geduld belohnt worden: bei Heinz Behrmann ist das Nest erstmalig in diesem Jahr dauerhaft bezogen worden. Noch wohnt dort lediglich ein Junggeselle, aber wir hoffen mit ihm, daß er nicht allein bleiben wird. Das wäre eine kleine Sensation, denn seit über hundert Jahren hat es kein Storchen-Brutpaar mehr in Sülldorf gegeben. Aber auch der residente Einzelstorch ist schon ein guter Erfolg für die Bemühungen der Landwirte, Jäger und anderer Naturliebhaber um Biotopverbesserungen in diesem Bereich. Er dokumentiert, daß sich der Einsatz für den Erhalt der bäuerlichen Kulturlandschaft durch Pflege von Wiesen und die Anlage von Blühflächen und Reptilienbiotopen (siehe unten) bei etwas Geduld unmittelbar und sichtbar lohnen.

Blühflächenprojekt in der Rissen-Sülldorfer Feldmark

 

Der Landesjagdverband Hamburg und die Landwirte aus Rissen und Sülldorf haben ein richtungsweisendes Projekt zum Schutz der Biodiversität gestartet: vertraglich abgesichert wird den Bauern von den Jägern Naturschutz „abgekauft“. Und das passiert so: 8 Landwirte bestellen auf 30.000m² verschiedene geeignete und in der Feldmark verteilte Flächen statt mit Ackerfrüchten oder Wiesengras mit einer insektenfreundlichen Blühmischung. Der Landesjagdverband zahlt ihnen dafür ein angemessenes Entgelt, das in etwa dem üblichen Ertrag entspricht. Sonnenblumen und Inkarnatklee, Sommerwicken und Lupinen und viele andere Pflanzenarten mehr bilden wertvolle Insektenbiotope. Das ist auch bitter nötig, denn die Zahl der Insekten nimmt auf erschreckende Weise ab, auch in der Sülldorfer Feldmark. Und damit schwindet neben unverzichtbaren Pflanzenbestäubern auch die Nahrungsgrundlage für unzählige Reptilien, Vögel und Kleinsäugetiere. Lebensräume für Hase, Fasan und Rebhuhn werden rar. So wird die Nahrungskette unterbrochen, die ganz unscheinbar im Gras beginnt und letztlich bis zu uns Menschen reicht.

Einsaat mit einer insektenfreundlichen Blühmischung

Das Projekt ist auch über den unmittelbaren Naturschutz hinaus wertvoll, so sollen Hinweistafeln die vielen Besucher des Naherholungsgebiets aufklären und auf geführten Spaziergängen sollen interessierte Stadtbewohner Naturzusammenhänge erfahren. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Natur vor unserer Haustür und ihre Zusammenhänge zu erreichen. Denn nur was man kennt, kann man auch schützen. Und vielleicht lässt sich ja  auch ein Reh mit Kitz oder ein selten gewordener Feldhase beobachten.

Und ganz „nebenbei“ wird darüber deutlich, daß Jäger und Bauern – gemeinsam – einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt leisten.

Einige Wochen später: Bauer Heinz Behrmann und Jäger Bernd Neumann inspizieren ein Feld

Die beteiligten Partner – die Landwirte, der LJV und vor Ort die Jägergruppe Altona-Blankenese haben sich damit viel vorgenommen. Vorerst ist das Projekt aus Spenden und aus Mitteln des LJV für 2 Jahre gesichert, weiter sollen dann „Paten“ gesucht und gefunden werden, die für finanzielle Kontinuität sorgen. Die Jägergruppe Altona-Blankenese kümmert sich um die dazugehörige Öffentlichkeitsarbeit und hat dazu gerade ein Mitglied zum DLV-Naturpädagogen ausbilden lassen. So können – wenn es denn die aktuellen Versammlungsregeln zulassen – vielleicht sogar schon im Frühsommer die ersten öffentlichen Aktionen zusammen mit den Landwirten stattfinden.

Eine Phacelia wird von einer Biene besucht

Malve, im Hintergrund Ölrettich und Buchweizen

Spendenkonto: Landesjagd- und Naturschutzverband Hamburg,

IBAN DE73200300000003203106 Stichwort "Blühstreifenprojekt Altona"

Nistkastenaktion auf dem Friedhof Blankenese

am 7. März 2020

 

Alle Vögel sind bald da – und suchen ein sicheres Zuhause für ihre Jungen. Leider wird in unserer Stadt auch der Wohnraum für die wildlebenden Tiere knapp, für die heimischen Singvögel z.B.: Wärmedämmungen und Sanierungen lassen an den Häusern die Ecken und Kanten und Ritzen verschwinden und hohle Bäume gibt es aus Gründen der Verkehrssicherheit kaum noch. Zusätzlich sind die possierlichen Eichhörnchen leider leistungsstarke Nesträuber und Nachbars Kater Mohrchen holt sich auch seinen Teil. Da haben jetzt im beginnenden Frühjahr nicht nur Amsel, Drossel, Fink und Star, sondern auch Meise, Dompfaff, Kleiber und viele andere ihre liebe Mühe, geeignete Nistmöglichkeiten für die Jungenaufzucht zu finden. Die Bezirksgruppe Altona des Hamburger Landesjagdverbands hatte deshalb Anfang März eingeladen zu einer Nistkastenaktion auf dem Blankeneser Friedhof. Dem Ruf folgten Jung und Alt, Familien und Singles und bald hämmerten und schraubten viele fleißige Hände vorgefertigte Bausätze zu Vogelhäusern zusammen. Unterschiedlich große Einfluglöcher  bieten den unterschiedlichen Arten jeweils passende Brutmöglichkeiten, auch für die Nischenbrüter wie Hausrotschwanz oder Zaunkönig ist etwas im Angebot und sogar ein Eulenkasten ist dabei. Manche der fleißigen Handwerker und Handwerkerinnen nagelten zum ersten Mal im Leben einen Nistkasten zusammen, andere brachten wertvolle Vorerfahrungen mit.

Und alle zusammen freuten sich über das gute Wetter und den leckeren Butterkuchen.  Aber bald mussten die properen Eigenheime an geeignete Stellen gebracht werden. Unter der Leitung von Stadtjäger und Ornithologe Horst Gruba machten sich die „Zimmerleute“ mit Hammer, Nagel und Leiter ausgerüstet auf den Weg um passende Bäume zu finden. Das war gar nicht so einfach, denn die künftigen gefiederten Bewohner stellen allerlei Ansprüche. Wetterabgewandt, der Morgensonne entgegen sollte die Lage schon sein. Und hoch genug, dass menschliche und tierische Störenfriede nicht so leicht daran kommen können. Zu dicht sollte der Bewuchs auch nicht an die Kästen reichen, so dass gefräßige Eichhörnchen, Marder und Co kein zu einfaches Spiel bekommen. Zum Glück war Adolf Schmid mit seinen 79 Jahren und seinen langen Erfahrungen als Malermeister zugegen und gerne bereit, auf die hohe Leiter zu klettern und dort oben in luftiger Höhe den Hammer zu schwingen.

So fanden dann am Ende des Tages alle 38 Kästen einen geeigneten Platz.

Alle Kästen bekamen eine Nummer, so daß die Erbauer nun über das Jahr verfolgen können, wer dort und mit welchem Erfolg wohl brütet. Und für den Herbst steht schon die Verabredung zum Wiedertreffen: dann werden die Kästen gereinigt und „winterfest“ gemacht damit sie dann im folgenden Frühjahr aufs Neue bezogen werden können.

Ulrike Drechsler, die Leiterin des Friedhofs, freute sich über die Aktion und stellte gerne eine Fahrzeughalle und Tische und Bänke zur Verfügung. Für sie ist der Friedhof mehr als eine Ruhestätte für die Toten. Auch die Lebenden sollen hier einen Platz finden für Trauer und Freude, für Erinnerungen oder auch ganz einfach zur Erholung im Trubel der Stadt. Deshalb bietet der Blankeneser Friedhof viele lauschige Ecken und geschützte Winkel als Orte zum Verweilen. Und was gibt es Schöneres, als dort auf einer Bank zu sitzen und den Singvögel zuzuhören?

Aktionstag:       Reptilienbiotop in der Sülldorfer Feldmark

am 16. Februar 2019

<< noch verstellen die Silageballen das künftige Reptilienbiotop

dicke Stämme bilden ein solides Fundament

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der jagdliche Bautrupp: Horst Gruba, Ralf Kerfack, Bernd Neumann (von rechts nach links)

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