Weiteres jagdliches Brauchtum

Jagdhornsignale

Jagdsignale oder Jagdhornsignale dienten früher (und teilweise noch heute) der Verständigung bei der Jagd. Vor Zeiten des Handys konnten so auch über weite Strecken Informationen übermittelt werden. Heutzutage sind Jagdhornsignale häufig ein Teil des jagdlichen Brauchtums.

Jägersprache

Die Jägersprache, auch Waidmannssprache, ist die traditionelle Fach-und Sondersprache der Jäger. Sie setzt sich aus Fachwörtern aus dem Bereich der Jagd zusammen und wird von Jägern zur exakten Verständigung untereinander sowie als Teil des jagdlichen Brauchtums benutzt.

 

Neben der Exaktheit lassen sich durch die Jägersprache oftmals Zustände und Ereignisse während der Jagd viel einfacher und kürzer beschreiben als mit der konventionellen Sprache. Insofern wird sie Nichtjägern gegenüber dann nicht verwendet, wenn Verständnisprobleme entstehen könnten.

Jagdgericht

Ein Jagdgericht ist ein alter, heute meist humorvoller Brauch bei Jagden, oft nach dem Schüsseltreiben, bei dem vermeintliche Verstöße gegen Jagdregeln oder -etikette (z.B. falsches Ansprechen, „Prost“ statt „Waidmannsheil“) von einer "Jury" aus Jägern symbolisch bestraft werden, meist durch Ausgeben von Runden oder kleine Spenden für die Revierkasse. Es dient der Erziehung und Geselligkeit und ist vom ernsthaften, gesetzlich geregelten Jagdrecht zu unterscheiden, das bei schweren Vergehen greift und rechtliche Konsequenzen hat. 
Merkmale des Brauchtums
  • Anlass: Nach Gesellschaftsjagden, oft im Rahmen des Schüsseltreibens.
  • Zweck: Humorvolle Ahndung von Fehlverhalten und Stärkung der Gemeinschaft.
  • "Vergehen": Verstöße gegen die Waidgerechtigkeit (z.B. nicht „Waidmannsheil“ sagen), kleine Jagdfehler.
  • "Strafen": Meist harmlose „Urteile“ wie Getränkerunden, kleine Geldbußen für die Jagdkasse oder das Tragen einer speziellen Mütze.
  • Unterschied zum ernsten Recht: Das Jagdgericht ist eine Showeinlage, während ernsthaftes Fehlverhalten (z.B. mit geladener Waffe durch die Schützenreihe gehen) ernste Konsequenzen durch den Jagdleiter nach sich zieht. 
Abgrenzung zum rechtlichen Jagdgericht
  • Früher existierten formelle herrschaftliche Jagdgerichte.
  • Heute sind sie selten; das moderne Jagdrecht wird durch staatliche Gesetze geregelt und hat rechtliche Relevanz, im Gegensatz zum Brauchtum des Jagdgerichts. 
Zusammenfassend ist das Jagdgericht eine Traditionsveranstaltung, die den Spaß, die Kameradschaft und die Einhaltung der jagdlichen Sitten fördert, aber nicht mit dem formellen Rechtssystem zu verwechseln ist.

Bruchzeichen

Als Bruch bezeichnet man einen abgebrochenen, grünen Zweig. Als Bruchzeichen verwendet man bestimmte Baumarten wie z. B. Fichte, Tanne, Eiche oder Erle. Es gibt verschiedene Arten von Brüchen die unterschiedlichen Zwecken dienen. Sie sind die Zeichensprache der Jäger und dienen der Ordnung und Sicherheit.

Waidgerechtigkeit

Waidgerechtigkeit ist ein zentraler Grundsatz im deutschen Jagdrecht, verankert in § 1 Abs. 3 Bundesjagdgesetz (BJagdG).
Sie ist der ethische Kodex der Jagd, der über bloße Gesetze hinausgeht und einen respektvollen, verantwortungsbewussten Umgang mit Wild, Natur und Mitmenschen fordert, basierend auf Tierschutz, Umweltschutz und Anstand, mit dem Ziel, das Wild so wenig wie möglich leiden zu lassen und die Jagd als nachhaltige Form der Wildbewirtschaftung zu verstehen. Sie umfasst sowohl geschriebene Regeln (Gesetze) als auch ungeschriebene Verhaltensnormen, die sich dem Wandel der Zeit anpassen müssen. 
Kernprinzipien der Waidgerechtigkeit:
  • Tierschutz: Vermeidung unnötiger Qualen, sofortiges Erlegen von krankem Wild, respektvoller Umgang mit dem erlegten Tier.
  • Umweltschutz: Berücksichtigung des gesamten Ökosystems, Hege (Bestandsregulierung) und Schaffung von Lebensraum.
  • Mitmenschlichkeit: Anständiges Verhalten gegenüber anderen Jägern, Grundeigentümern und der Öffentlichkeit. 
In der Praxis bedeutet dies:
  • Technik: Nur mit sicherer Technik jagen, die einen präzisen Schuss ermöglicht, um das Tier schnell zu erlösen, auch mit Nachtsichtgeräten, aber nur, wenn die Entfernung sicher geschätzt werden kann.
  • Hege: Eine naturnahe Wildbestandsstruktur anstreben und schwaches/krankes Wild entnehmen, ähnlich der natürlichen Selektion.
  • Ethik: Nicht alles tun, was erlaubt ist, sondern nur das, was das Gewissen zulässt, wie z.B. das Jagen von Elterntieren während der Aufzucht vermeiden. 
Waidgerechtigkeit ist eine sich entwickelnde Tradition, die von der Eigenverantwortung jedes Einzelnen lebt und über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgeht, um die Jagd als verantwortungsvolle Tätigkeit zu wahren.

Letzter Bissen

Der letzte "Bissen" ist ein jagdlicher Brauch, bei dem ein kleiner Zweig (Bruch) dem erlegtem Wild in den Äser (Maul), das Gebrech oder den Schnabel gesteckt wird, als Zeichen des Respekts, der Wertschätzung und als Wegzehrung für die ewigen Jagdgründe.
 
Ursprünglich nur bei männlichem Schalenwild üblich, wird er heute oft auch bei weiblichem Wild, Auer- und Birkwild angewendet und 
                                                                     symbolisiert die letzte Mahlzeit des Tieres.
Bedeutung in der Jagd
  • Respekt und Dankbarkeit: Zeigt die Anerkennung des Jägers für die Kreatur und die Natur.
  • Symbolik: Steht für die letzte Mahlzeit des Wildes, bevor es die ewigen Jagdgründe betritt.
  • Anwendung: Ein grüner, unbefegter Zweig wird quer in den Äser oder Schnabel gesteckt.
  • Entwicklung: Früher nur bei männlichem Schalenwild (Reh, Hirsch etc.), heute auch bei weiblichem Wild sowie bei Niederwild wie Auer- und Birkwild. 

Schüsseltreiben

Schüsseltreiben ist ein traditioneller, geselliger Abschluss einer Jagd (oft einer Gesellschaftsjagd oder Treibjagd) in Deutschland und Österreich, bei dem sich alle Beteiligten (Jäger, Treiber, Hundeführer) zum gemeinsamen Essen und Trinken treffen, oft in einer Gaststube oder am Feuer, und der früher auch Rituale zur Ehrung von Teilnehmern oder zur Aufnahme von Jungjägern umfasste und auf alten Bräuchen des Schüsselwerfens zur Geistervertreibung basiert. 

Bedeutung und Brauchtum
  • Gesellschaftlicher Höhepunkt: Es ist der Moment, um den Jagderfolg zu feiern und die Gemeinschaft zu pflegen.
  • Ursprung: Der Begriff leitet sich vom alten Brauch ab, Geschirr zu zerschlagen (Schüsseln zu treiben), um böse Geister zu vertreiben und Neuanfänge zu symbolisieren.
  • Rituale: Früher wurden hier auch das "Jagdgericht" abgehalten, um Verhalten zu beurteilen, und Jungjäger in die Gemeinschaft aufgenommen.
  • Teilnehmer: Alle, die zum Gelingen der Jagd beigetragen haben, sind eingeladen (Schützen, Treiber, Helfer). 
Ablauf
  • Ort: Meist in einer Dorfwirtschaft, Jagdhütte oder am Lagerfeuer.
  • Verpflegung: Es gibt traditionell deftige Speisen, oft Erbsensuppe.
  • Inhalte: Neben dem Essen gehören Geschichten, Anekdoten (Jägerlatein) und Gesang dazu. 
Moderner Bezug
  • Heute steht der gesellige Aspekt des Zusammensitzens im Vordergrund, um die Jagd gemütlich ausklingen zu lassen.

Strecke legen

Strecke legen bei der Jagd ist ein alter Brauch, bei dem das erlegte Wild am Ende einer Jagd (oft einer Bewegungsjagd) in einer bestimmten Ordnung auf einer mit Tannen- oder Fichtengrün vorbereiteten Fläche präsentiert wird, um dem Wild Respekt zu zollen und Dankbarkeit zu zeigen. Wichtige Regeln sind: Wild immer auf die rechte Seite legen, aufgebrochenes Wild mit dem Kopf nach oben (bei Männchen mit Hauptschmuck besser zur Geltung), und die Reihenfolge ist festgelegt: Erst Hochwild (stärkstes Stück rechts), dann Niederwild, Haarwild vor Federwild, männlich vor weiblich. Teilnehmer stehen danach in einer Formation, Jagdhornbläser verblasen die Strecke (z.B. Halali), und Jäger erhalten einen Schützenbruch. 

Grundregeln und Ablauf

  • Vorbereitung: Strecke wird auf einer mit Grün ausgelegten Fläche gelegt, um Hygiene zu gewährleisten.
  • Ausrichtung: Alles Wild liegt auf der rechten Körperseite, das ist die "gute" Seite.
  • AufbrechenSchalenwild wird aufgebrochen, männliches Wild erhält den letzten Bissen (Bruch) ins Maul.
  • Ordnung (Beispiel Hochwild-Strecke): Rotwild, dann Damwild, dann Schwarzwild, dann Rehwild, dann Fuchs/Raubwild (z.B. am linken Flügel).
  • Stärkstes Stück: Immer am rechten Flügel der jeweiligen Wildart.
  • Jeder Zehnte: Alle zehn Meter wird ein Stück eine halbe Körperlänge vorgezogen.

Aufbau der Teilnehmer am Streckenplatz

 
  • Vor der Strecke: Jagdleiter (am Kopf), dann die Schützen (blicken in die Lichter).

  • Hinter der Strecke: Bläser (am rechten Flügel), Treiber (links vom Bläser), Hundeführer (links bei den Treibern oder bei den Schützen). 

Bedeutung
  • Respekt: Ehrenbezeugung gegenüber dem erlegten Tier.
  • Dankbarkeit: Dank für den Jagderfolg und die Gesundheit aller Beteiligten.
  • Brauchtum: Wichtiges Element der Jagdkultur, oft mit Jagdhornklängen und dem Verblasen der Strecke abgeschlossen. 

Hubertusmessen

Hubertusmessen sind spezielle Gottesdienste, die jährlich um den 3. November (Hubertustag) zu Ehren des Heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jägerinnen und Jäger, stattfinden und oft als „Jägergottesdienste“ bezeichnet werden, bei denen Jäger Segen für die Jagd erhalten, die Kirche sich mit der Jagd und dem Respekt vor dem Geschöpf verbindet und Parforcehörner die feierliche Atmosphäre prägen. Die Messen finden in herbstlich geschmückten Kirchen statt und sind ein wichtiger Teil der Jagdkultur in Deutschland und Europa. 

Druckversion | Sitemap
Bezirks-Jägergruppe Altona-Blankenese im Landes Jagd- und Naturschutzverband Hamburg